TAGEBUCH  UND  BERICHTE
ZUM ASTROFRÜHLING  2004


Sonntag, 21. MÄRZ 2004
Geschlossene Wolkendecken hatten an den vorhergehenden Tagen nicht einmal den Gedanken an einen erneuten Beobachtungsversuch aufkommen lassen. Der Sonntag verlief dagegen vielversprechend: bei starkem Wind hatte sich typisches "Aprilwetter" mit einem Wechsel von Schauern und Aufheiterungen eingestellt. Als gegen 19.00 Uhr von Westen her große Wolkenlücken sichtbar werden, geht es zum üblichen Beobachtungsort in Bonn-Endenich (Ortsmarke für GoogleEarth). Dort ist es um 19.25 Uhr noch deutlich heller als vor 4 Tagen um die gleiche Zeit, die Tageslänge nimmt jetzt sehr rasch zu. Trotzdem zeigt bereits ein flüchtiger Blick durch das Fernglas Merkur. Auch mit bloßem Auge ist er sofort danach weit im Westen in der hellen Dämmerung erkennbar.
Hoch darüber beherrscht Venus die Szene, weiter im Südwesten sind alle hellen Sterne des Winterhimmels und die Planeten Mars und Saturn problemlos zu sehen; fehlt noch Jupiter, der sich jedoch sogleich brav hinter einer Wolke hervormeldet.

Da sind sie also alle 5; im Unterscheid zu 2002 stehen sie so weit auseinander, dass man sie nicht gleichzeitig sehen kann. Unter Zuhilfenahme aller Augenwinkel reicht der Blick wahlweise von Merkur bis Saturm oder von Venus bis Jupiter - trotzdem: es ist eine imposante Planetenkette, die sich da quer über den Vorstadthimmel zieht.
Jupiter ist im Fernglas einwandfrei als winziges Scheibchen erkennbar, es glückt mir jedoch nicht, die Halbvenus deutlich zu sehen; sie versteckt sich hinter ihrer eigenen blendenden Helligkeit. Inzwischen ist es 19.40 Uhr, und Merkur ist jetzt auch mit bloßem Auge ein auffälliges Gestirn nahe dem zunehmend dunkler werdenden Westhorizont.
Im krassen Gegensatz zum letzten Mittwoch ist es heute lausig kalt und windig, keine Spur mehr von Frühling. Also ziehe ich mich ins Auto zurück und verfolge, wie Merkur langsam einer Wolkenbank entgegensinkt, die sich bis in knapp 2 Höhe erstreckt. Trotz der zunehmenden Extinktion ist der Planet solange mit freiem Auge sichtbar, bis er von den Wolken geschluckt wird - fast genau um 20.00 Uhr. Nach dem vergeblichen Anlauf am Mittwoch gab es heute also gleich 35 Minuten Merkur am Stück.

Fotos von diesem Tag (externe Links!):
Dennis Slattery (Kalifornien)

Beobachtungsberichte (externe Links!):
Wolfgang Vollmann (Wien)


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